Bäckerei-Azubis auf Exkursion in der Zweilandstadt Ulm
(fn) In Ulm, um Ulm und um Ulm herum. Bekanntermaßen haben Klassenfahrten in den vergangenen zwei Jahren wegen der Pandemie nicht mehr stattgefunden; viele bereits geplante Betriebsbesichtigungen und Expertenvorträge mussten gecancelt werden, obwohl sie zum pädagogischen Konzept unserer Schule gehören. Obermeister Peter Krekel unterstützte deshalb gleich die Idee erstmalig eine Bildungsfahrt einer Berufsschulklasse mit zwei Übernachtungen durchzuführen. Es lag auf der Hand, dass man, falls Ulm das Reiseziel wird, in jedem Fall auch die Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim ansteuern würde. Und so kam es dann auch…
Bernd Kütscher, seit sechzehn Jahren Schulleiter der Bundesakademie, stelle den angehenden Bäckergesellen und Fachverkäufer*innen im Bäckerhandwerk nicht nur die modernen Fachwerkstätten vor, sondern gab den interessierten Auszubildenden einen ersten Einblick in die „Weinheimer Brotsprache“. Wenn ein Brot „gut schmeckt“, dann ist dies für Fachleute nichtssagend. Stattdessen erweitern Vokabeln wie „rauchig“, „mostig“ oder „kaffeebraun“ nun den Wortschatz der Auszubildenden. Er machte den jungen Menschen Mut, sich in ihrem Handwerksberuf stetig zu verbessern, kontinuierlich weiterzubilden und durch das Ablegen der Meisterprüfung (bzw. Verkaufsleiterprüfung) im Unternehmen unentbehrlich zu machen. Die Chance, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, ist gut wie nie, weil viele kleine Betriebe ein Nachfolgerproblem haben. Er betonte, dass auf dem Markt kaum gut ausgebildete Bäckermeister zu finden sind. Folglich haben sich auch die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk potenziert. Dies ist leider noch nicht überall in der Bevölkerung angekommen. Kütscher legte den Focus aber auch auf die Qualität von handwerklich produzierten Backwaren. Diese würden gegenüber dem „Industriebrot der Discounter“ in jedem Fall nachhaltiger produziert, weil diese Waren nur mit hohem Energieaufwand beim Verbraucher ankommen. Zudem ist der Einsatz vieler Zusatzstoffe notwendig, um die Qualität der Backwaren über einen langen Zeitraum sicherzustellen.
Zufällig konnte unsere Klasse an diesem Tag sogar den beiden Bundessiegern bei ihren Vorbereitungen auf die kommende Bäckerjugend-Weltmeisterschaft über die Schulter schauen. Doch allein die Wertschätzung, die unsere Auszubildenden in der Akademie erfahren haben, rechtfertigte unsere Reise. Zum Abschluss des Besuchs und einem äußerst leckeren Mittagessen (selbstgemachte (!) Nudeln mit diversen Soßen und Beilagen plus Dessert) hat sich unsere Gruppe in den Sozialen Medien und selbstverständlich auch auf der Homepage der Akademie mit tollen Fotos sowie einem Tik-Tok-Kurzfilm verewigt.
Am Abend erreichten wir Blaubeuren. Die abendliche Aufgabe bestand im Beziehen der Betten in der Jugendherberge. Der Ort, mit dem bekannten Blautopf liegt mitten in der Schwäbischen Alb. Von dort aus startete unsere Gruppe am Folgetag, um das „Museum für Brot und Kunst“ in Ulm zu besuchen. Die Jugendlichen erhielten in zwei Gruppen neue Informationen zu Brot im Alltag, in Ernährung und Konsum. Dieses erste Museum zum Thema Brot wurde 1955 im ehemaligen „Lagerhaus für Getreide und Salz“ (von 1592) gegründet. Die sehr interessanten Exponate beschäftigen sich auch mit dem Thema Hunger. Dieser Aspekt erhält zur Zeit des schrecklichen Krieges in der Ukraine einen aktuellen Bezug.
Am Nachmittag waren unsere Auszubildenden dann „den Ulmer Bäckereien auf der Spur“. Anhand eines Bewertungsbogens verifizierten die angehenden Fachleute die Verkaufsstellen in der Ulmer Innenstadt. Dabei beurteilten sie durch Testkäufe das Fachwissen des Verkaufspersonals, inspizierten den Laden sowie die Warenpräsentation und suchten nach regionalen Spezialitäten, die sie aus ihren Betrieben bisher nicht kannten. Dabei konnten die Azubis ihr Fachwissen, welches sie sich in Berufsschule und Betrieb angeeignet haben, unter Beweis stellen. Die Aufgabe wurde von allen Beteiligten mit großem Fleiß und sehr viel Spaß erledigt. Die Ergebnispräsentationen der sechs Teams überzeugten das Prüfungsausschussmitglied B. Schaaf-Roth sowie die Fachlehrer Dr. E. Gerling, M. Streng und F. Narewski.
Zum Abschluss des zweiten Tages fanden zwei Themenführungen durch die nächtliche Zweilandstadt statt, sodass auch die Kultur nicht zu kurz kam. Neben Anekdoten zum Flugversuch des Schneiders von Ulm fand auch die Geschichte zum wertvollen Ulmer Zuckerbrot begeisternden Anklang bei den Teilnehmern.
Wer kann heute noch einen echten Müller bei der Arbeit beobachten?
Am Abreisetag war dies für unsere Bäckerlehrlinge in der Söll-Mühle, Blaubeuren tatsächlich möglich. In der Mühle aus dem 16. Jahrhundert an der Blau wird der Dinkel noch so vermahlen, wie es der Urgroßvater des heutigen Unternehmers, Max Söll, schon vor mehr als 100 Jahren getan hat. Nachdem nicht wenige Auszubildende die Einkaufsmöglichkeit im Mühlenladen genutzt hatten, ging es über die A 8 zurück nach Limburg. Alle waren sich einig darüber, dass die in den drei Tagen gewonnenen Eindrücke und neue Erfahrungen die Ausbildung nachhaltig bereichert haben und sich der Besuch der Zweilandstadt Ulm absolut gelohnt hat.







